
Monumente
Mai 22, 2010Roadtrip Tag 31 – Rapid City
Wir sind heilfroh endlich aus der kulinarischen Hölle von Yellowstone zu ent-kommen, fürchten aber das nächste Desaster in Rapid City, South Dakota auf uns zu kommen. Dennoch sind wir frohen Mutes, als wir des Morgens in den Wagen steigen und dem staubtrockenen Farmland in Montana den Rücken kehren können. Und den Cowboys, und den Jägern, und den ständig laufenden Bewässerungs-anlagen, und, und, und …
KM 7763 (10:30 Uhr) – Auf geht’s … und fast wären wir noch durch den Park in Richtung Beartooth Pass gefahren, doch die Dame vom Hotel warnte rechtzeitig: kein Durchkommen, erst Ende Mai offen. Gut, dann nach Norden auf die I-90.
KM 8037 (13:30 Uhr) – Billings, Montana – gähn, Industrie und viel Landwirtschaft. Bloß nicht anhalten.
KM 8140 (14:30 Uhr) – Little Bighorn Battlefield – hier ging es ab damals im Juni 1876. Die US-Armee wollte endlich diesen aufmüpfigen Rothäuten zeigen, wo in den Black Hills der Hammer hängt und schickte den Heroen Lt.Col. Custer auf ins Gefecht. Der war allerdings so doof in Unterzahl von ca. 280 Mann ein Lager von 7000 Sioux anzugreifen. Hm, und wen wundert es da, dass der Idiot auf den Sack bekommen hat? Naja, die Amis halt. Die haben dem armen Mann und seinem Gefolge wegen des Gemetzels ein Heldendenkmal gesetzt, und das bereits 1890. Ganze 101 Jahre hat es dann gedauert, bis man begriffen hatte, dass die Native Americans vor Ort auch Gefallene zu beklagen hatten und das man das Denkmal ausgleichen sollte. Und so kam es dann, dass man ein Indianisches Ehrenmal dazu gestellt hat. Auch den Namen des Custer Battlefield National Monument hat man in Little Bighorn umgebaut, eben alles, weil der weiße und der rote Mann sich doch so gut vertragen … alles ein wenig unbalanciert hier vor Ort. Aber interessant diese Verschiebungen der Bedeutung, die Monumente und die Museen dazu anzuschauen. Und vor allem, dass es den wenigsten Besuchern hier auffallen wird. Die sind nämlich patriotisch und drücken sich vor dem Steinblock mit Custers Namen drauf gleich noch mal eine Träne aus den Augen. Und die Tatsache, dass das Memorial auf dem Land der Crow Reservation steht ist auch bemerkenswert. War es doch im Streit zwischen Sioux und Crow um dieses Land erst zu den heftigen Konflikten gekommen, und waren es doch die Crow, die als Scouts für die US-Armee arbeiteten … hm, the winner takes it all, oder wie?
KM 8408 (18:33 Uhr) – Wir sind in Wyoming – schon wieder, verwirrend.
KM 8441 (18:50 Uhr) – Wir sind in South Dakota, dieses Staatengewechsel geht aber auch schnell.
KM 8560 (23:00 Uhr) – Im Hotel, ein gutes thailändisches Essen im Bauch und glücklich wieder so etwas wie Zivilisation zu haben.
Roadtrip Tag 32 – Sioux Falls
Detour (31 km) bis nach Mount Rushmore – noch so ein Monument der Nation. Vier Präsidentenköpfe im Stein und wir waren da, haben den Herren in die Nasenlöcher geschaut, uns gewundert, warum der alte Teddy da oben hängt und nicht etwa Ben Franklin. Was hat der Mann noch mal genau für die stolze Nation gemacht? Egal. Auch hier ist es eher der Mittsechziger, der bewundernd vor dem Felsblock steht und seinen gebrechenden Hals reckt. Auch hier ist die Vermarktungsmaschinerie voll angesprungen und bieten den wildesten Kommerzanblick aller Zeiten, wenn man nach Keystone reinfährt. Natur, Berge, Wälder, und auf einmal ein Neon-Schilderwald, ein Bergmassiv voller Hotelketten und Pancake-Häuser. Und Wildwest-Atmo in Plastikfassaden. Krass. Und das alles wegen vier Granitköpfen. Ist aber schon beeindruckend zu sehen und wiederum interessant, wie sich nationale Identität so gestaltet. Welche Persönlichkeiten gewählt wurden und vor allem aus welchem Grund und wann … 14 Jahre in der schwersten Wirtschaftsdepression der Welt und die Amis schleudern Milliarden in einen abseitigen Berg in South Dakota. Warum? Weil sie es können. Und weil es dem Land hilft sich selbst zu sehen. Spannend.
KM 8650 (13:25 Uhr) – Wir sind weitergefahren nach Wall und machen hier einen weiteren Umweg über den Badlands National Park, der mitten im Buffalo Gap National Grasland liegt – kein Witz. Viel Steppe, Prärie und Gras und plumps, plötzlich öffnet sich die Welt und macht einen massiven Einbruch von Wüste, Vulkanasche und schlechtem Land. Wie in Alberta, nur größer und weiter und eindeutig genauso unbegreiflich, wie so etwas hier herkommt.
Umweg von 80 km (16:21 Uhr) – Wir verlassen die Badlands wieder und nehmen Kurs aus Sioux Falls. Eine lange Fahrt liegt vor uns, durch Prärie, Farmland und Einöde… South Dakota ist Manitoba all over again.
KM 8781 km (17:37 Uhr) – Wieder eine Zeitzone, die wir geschickt übersehen, weil wir dem Straßenverkehr mehr Aufmerksamkeit widmen, der hier erstaunlich gut läuft. also: 18:37 Uhr.
KM 9096 (23:05 Uhr) – Wir sind in Sioux Falls, haben gerade noch den Italiener erwischt, um eine Pizza abzugreifen und stürzen ins Bett. Wieder so spät.
Uff, liebe Grüße, der Worträuber.